Shenja Lacher im Kurzinterview

Shenja Lacher ist Teil des Schauspielsymposiums, welches im April an der Alanus Hochschule stattfinden wird.



Sie haben letzten
Sommer beim Münchner Residenztheater gekündigt, weil Sie den autokratischen Strukturen des Theaters den Rücken kehren wollten und sich mehr Zeit für sich und Ihre Familie wünschten. Wie ist es dazu gekommen und was machen Sie zurzeit?

Ich habe mit dem Theaterspielen aufgehört, bevor ich dem Beruf gegenüber zynisch werde. Davor hatte ich Angst. Ich habe viel gespielt und meistens ohne Pause. Das ist eine Zeitl ang gut, hat mich aber unzufrieden gemacht, weil ich manchmal in der Kürze der Zeit die Rollen nicht knacken konnte und mich verheizt fühlte und leergespielt.

Deswegen betrete ich jetzt für ein paar Jahre erst mal keine Bühne. Ich mache jetzt mehr Filme und arbeite als Dozent mit Studenten. Ich kann zwar jetzt mehr machen, worauf ich Lust habe und verdiene mehr Geld, aber arbeite dafür viermal so viel. Das habe ich etwas unterschätzt. Trotzdem nehme ich mir die Zeit, um mich künstlerisch zu hinterfragen, um neue Ideen zu sammeln.

Was stört Sie an den Strukturen des Theaterbetriebs?

Ach, einiges…Wer bestimmt den Spielplan? Warum wird so viel gespielt? Warum werden die Probenzeiten immer kürzer? Wer schaut Intendanten eigentlich auf die Finger oder kann man sich im Kunstbetrieb verhalten wie man will, weil es halt Kunst ist? Warum kann ein einzelner ein ganzes Ensemble kündigen? Seit dem letzten Jahr höre ich oft „Theaterstories“ von Kollegen aus der ganzen Republik, die zu erzählen das Interview sprengen würden. Reden wir Ende April darüber.

Da kommen Sie zum Schauspielsymposium an der Alanus Hochschule. Was erwarten Sie von der Veranstaltung?

Diskussionen und Gespräche. Dass wir hinterfragen, wofür wir stehen. Müssen wir immer politisch sein oder sind wir Amüsement für die Leute? Sind wir als Theater ein Museum, wollen wir mit dem Fernsehen mithalten oder sind wir eine ganz eigene Institution?

Was können wir an den Schauspielschulen leisten, um Studenten wieder mehr fürs Theater zu begeistern? Was sollten die Studenten von heute für den Beruf mitbringen?

Viele Fragen. Ich freu mich auf Antworten.

Shenja Lacher © Alexander Kriegen

Shenja Lacher © Alexander Kriegen


 

Shenja Lacher, geboren 1978, ging nach seiner Schauspielausbildung an der HMT Rostock ans Theater, wo er u. a. Romeo, Hamlet, Danton und Raskolnikov spielte. Von der Bühne in Zittau führte ihn sein Weg über Mannheim und Oldenburg nach München, wo er am Residenztheater von 2007 bis 2016 engagiert war. Hier spielte Lacher u. a. Prinz Friedrich von Homburg, Orest und Peer Gynt. Neben seiner Bühnenarbeit übernahm er immer wieder Fernsehrollen, z. B. im „Tatort“ oder im „Polizeiruf 110“, einen verzweifelten Geiselnehmer im Film „Das letzte Wort“ oder den Ermittler in „Das weiße Kaninchen“. Shenja Lacher ist außerdem regelmäßig Sprecher beim Bayerischen Rundfunk, die Stimme mehrerer Hörbücher und Gastdozent an der Otto Falckenberg Schule und der Theaterakademie August Everding in München.

Wanted: Zeitgemäße Ausbildung

Jetzt vormerken:
Symposium zur Zukunft der Schauspielausbildung
am 29. April in Alfter bei Bonn

Zur Anmeldung
Shenja Lacher im KurzinterviewKaren Gauler
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