Der Schauspiellehrer René Harder im Interview

Portrait René Harder- Foto Lili Thalgott
Foto: Lili Thalgott

René Harder, Professor für Schauspiel mit Schwerpunkt Szenenstudium und Projektentwicklung und Leiter des Fachgebiets Schauspiel

Wir befragen unsere Dozenten im Studiengang Schauspiel zu ihrem Studienfach an der Alanus Hochschule, zu ihrer eigenen Erfahrung, zu ihren Anforderungen und ihrer Arbeit mit den Schauspielstudenten.

1. Was ist Ihr Unterrichtsfach?
Meine Schwerpunkte sind Projektentwicklung und Szenenstudium. Projektentwicklung heißt, die Studenten in ihren sogenannten Eigenproduktionen zu betreuen: Die Schauspielstudierenden entwickeln nach eigenen Ideen, Texten und szenischen Vorstellungen eine Theateraufführung, einen Film, ein Hörspiel oder auch Mischformen von allem und ich versuche ihnen Wege und Möglichkeiten aufzuzeigen, sowie mentale- und technische Unterstützung zu sein. Im Szenenstudium geht es konservativer zu: Hier wollen wir grundlegende Ensemblearbeit vermitteln, die Studenten damit aber auch mit Autoren der Weltliteratur bekannt machen:
Shakespeare, Goethe, Horváth und andere mehr.

2. Was macht das Schauspielstudium an der Alanus Hochschule aus?
Wer einmal zu uns auf den Hügel in Alfter bei Bonn kommt, wird sofort merken: Das ist meine Sache – oder eben nicht. Es herrscht eine ganz besondere – für mich wunderbare – Athmosphäre auf diesem Resthofgelände, das sich zu einem rasch wachsenden Hochschulcampus entwickelte. Alanus ist die einzige private staatlich anerkannte Kunsthochschule in Deutschland: Persönlich und unkompliziert. Was die Schauspielausbildung direkt betrifft, versuchen wir das Berufsbild Schauspieler breiter zu denken und auszubilden, als das bisher üblich ist – was aber einem echten Bedürfnis entspricht. In meiner Generation (jetzt ca. 10 Jahre im Beruf) kenne ich so gut wie keinen Schauspieler, der nicht mindestens einmal ein Drehbuch oder Theaterstück geschrieben, Regie geführt oder andere Tätigkeiten ausgeführt hätte, die im vergangenen Jahrhundert nicht zur Schauspieltätigkeit gezählt wurden. Dem versuchen wir in der Ausbildung Rechnung zu tragen und in den bereits genannten „Eigenproduktionen“ Erfahrungen auf den verschiedensten Positionen zu ermöglichen, um diese Keime individualisierter Berufsausübung bereits im Studium zu entwickeln.  Wir fördern das Selbstbewusstsein der Schauspieler, auch selbst Projekte zu initiieren und Verantwortung nicht nur für ihre Rolle, sondern für ganze Projekte zu übernehmen.

3. Was war bisher Ihre interessanteste Rolle /Ihr spannendstes Projekt?
Das spannendste Projekt ist eigentlich immer das nächste ;-). Da ich die Stücke und Filme, die ich inszeniere, auch selber schreibe, ist jedes ein Abenteuer. Egal, ob experimentell, wie demnächst in Hamburg das „Hörlabor“, oder das Spektakel „Alles oder nichts“ nächsten Sommer in Görlitz – sozusagen mit Massen für Massen. Auch eine schlichte Erzählweise kann spannend zum produzieren wie angucken sein – zumindest, wenn sie wie mein nächster Film auf der Kola-Halbinsel nördlich des Polarkreises spielt.

4. Was erwarten Sie von einem Schaupielstudenten?
Neugierde, Leidenschaft und die Bereitschaft sich schmutzig zu machen.

5. Gibt es einen Schauspieler/eine Schauspielerin, der/die sie besonders begeistert, wenn ja, womit?
Es gibt viele Schauspieler, die mich begeistern. In letzter Zeit machte mich mal wieder Ulrich Matthes sprachlos. Sprachlos, weil unerklärlich gut. Er spielt in „Novemberkind“ (ein Studienabschlussfilm von Christian Schwochow, der im Herbst ins Kino kommt) neben der gleichfalls bezaubernden Anna Maria Mühe einen verklemmten Literaturprofessor. Ihm stockt die Sprache, er wirkt von oben bis unten verspannt in einer derart überzeugenden Weise, dass man sich gar nicht mehr vorstellen kann, dass hinter dieser Figur ein eloquenter, körperlich trainierter Schauspieler steckt.

6. Was halten sie für die drei wichtigsten Charaktereigenschaften eines guten Schauspielers?
1.) Leidenschaft für Theater und Film
2.) Leidenschaft für Theater und Film
3.) Leidenschaft für Theater und Film

7. Lassen Sie es Studenten wissen, wenn Sie sie für besonders begabt oder unbegabt halten?
Alle Studenten, die wir in ein Studium aufnehmen, halten wir selbstredend für begabt, sonst würden wir es lassen. Abgesehen davon ist es gefährlich, sich über Talent generell ein Urteil zu bilden: Man erlebt einfach die verrücktesten Überraschungen. Im Positiven wie im Negativen. Deshalb halte ich mich mit solchen Urteilen sehr zurück. In konkreten Situationen hingegen spiegele ich ungefiltert, ob mir etwas zusagt oder nicht.

8. Was raten Sie denjenigen, die sich jetzt zum Studienbeginn bewerben?
Frisch ran, spielen und nichts vorführen – im Sinne von „vormachen“. Die Dozenten in der Eignungsprüfungskommission sind Partner und so sollte man sie auch wahrnehmen. Das Urteil der Kommission war bisher immer einmütig – vom Vorsitzenden bis hin zum studentischen Beisitzer.  Wir nehmen uns für jeden Bewerber die Zeit, um ihm zu schildern, wo er aus unserer Sicht steht.

Vielen Dank, René Harder, für das Interview!

Weitere Informationen über die Bewerbung zur Schauspielausbildung erhalten Sie hier.

Tipps zur Vorbereitung zum Vorsprechen und zur Aufnahmeprüfung finden Sie hier.

 

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