Interview mit Schauspieldozent Prof. Dominik Schiefner

Was ist für Dich das Besondere an der Schauspielerei?
Das Besondere ist das Unmittelbare. Es gibt nicht den einen Weg zu spielen. Es gibt höchstens meine eigene Herangehensweise mit ganz unterschiedlichen Wegen mich einer Rolle zu näheren. Schauspiel ist Forschungsarbeit. Jedes Mal wieder neu. Jede Rolle ist eine neue Beziehung, die ich eingehe, eine Liebesbeziehung, mit allem, was dazugehört.

Was ist für Dich das Besondere an der Alanus Hochschule?
Eindeutig die Flexibilität und die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, das immer was in Bewegung ist. Ich mag die räumliche Nähe und den Austausch zu den anderen Fachgebieten. Diese Zusammenarbeit könnte noch viel stärker sein, da die interdisziplinäre Arbeit eine große Zukunft hat.
Und natürlich die wunderschöne Lage und die Ruhe rings um den Campus. Ruhe ist wichtig, um zu Schöpfen und sich auf Neues einzulassen.

Worin siehst Du die Zukunft des Theaters?
Gute Frage. Einfache Antwort. In den Menschen, die es gestalten, gestalten dürfen. In den letzten Jahren hat sich das Theater immer abhängiger gemacht und bietet daher Ausreden „Wir müssen ja das und das erfüllen.“ Quatsch. Theater muss nur eins: leben und damit lebendig sein.

Was ist Dein persönliches Anliegen als Schauspieler/Dozent?
Durch die Arbeit als Dozent habe ich meinen Beruf immer wieder hinterfragt. Es ist leicht einem Studierenden die Frage zu stellen, warum willst du Schauspieler werden. Schwieriger ist es, sich selbst immer wieder diese Frage zu beantworten. Die für mich gefundene Antwort teile ich dann mit. Somit kommt es zu einem Austausch, einer Begegnung und so ist man mitten in einem Arbeitsprozess.
Ich möchte keine Maschinen ausbilden, die das und das besonders toll können. Mein Anliegen ist es zu hinterfragen und eigenstätige Künstler reifen zu sehen, denen ich die Hand reiche, wenn sie fallen, aber sie nicht über das Hindernis hieve.
Diese Begegnungen in den Proben, Szenenstudien und Rollenarbeiten mag ich sehr. Bisher war es nie langweilig.

Wie bist Du zum Theater gekommen?
Ganz lustige Geschichte. Mein Papa war bei der Berufsfeuerwehr und hatte daher immer Brandschutzdienst im Dresdner Staatstheater. Eines Tages durfte ich mit. Ich hörte noch auf der Straße durch das offene Fenster den Durchruf des Inspizienten und wusste, da möchte ich hin.
Eines meiner schönsten Erlebnisse war, dass ich viele Jahre später in diesem Theater auf der Bühne stehen durfte und da noch immer spiele.

Was siehst Du gerne auf der Bühne?
Was mich überrascht und interessiert. Das kann in Form und Kunstverständnis völlig verschieden sein. Aber es muss leben, grooven, in Bewegung sein.

Was ist die interessanteste Arbeit im Rollenstudium?
Herauszufinden, wer mir gegenüber steht. Damit meine ich nicht das Private, sondern die Persönlichkeit, was zum Spielen elementar ist. Alles andere ergibt sich daraus.

Legst Du Deinen persönlichen Schwerpunkt auf das Schauspielen oder Unterrichten?
Beides. Das Unterrichten liebe ich und es hilft mir beim Spielen und umgekehrt.

Was würdest Du Dir in Zukunft für die Hochschule wünschen?
Ich wünsche uns allen, dass wir uns mehr Zeit nehmen. Zeit zu reden, zu diskutieren und auch mal zu scheitern.
Das erfordert eine gute Portion Mut, da die äußeren Einflüsse einen immer größer werdenden Erfolgsdruck auferlegen und schnelle Ergebnisse fordern.
Aber, wenn wir wirklich gesellschaftlich und politisch aktiv sein wollen, die Menschen bewegen wollen, brauchen wir diesen Raum, in dem Neues, Elementares entstehen kann.

Zum Profil von Prof. Dominik Schiefner

Interview mit Schauspieldozent Prof. Dominik SchiefnerSchauspielstudierende
0